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Die musikalische Interpretation dieses Textes wurde als Hymne der Europäischen Union angenommen.

Offizielle Instrumentalversion von
Herbert von Karajan


Freigabe durch Copyright-Vermerk
der Europäischen Gemeinschaften,
1995-2007

Ode an die Freude

Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!
Brüder - überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.

Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem Bund.
Was den großen Ring bewohnet, huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie, wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen an den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben, einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben, und der Cherub steht vor Gott.
Ihr stürzt nieder, Millionen? Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such' ihn überm Sternenzelt! Über Sternen muss er wohnen.

Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt.
Froh, wie seine Sonnen fliegen durch des Himmel prächt'gen Plan,
Wandelt Brüder eure Bahn, freudig wie ein Held zum Siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riss gesprengter Särge, die im Chor der Engel stehn.
Duldet mutig, Millionen! Duldet für die bessre Welt!
Droben überm Sternenzelt wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten; schön ist's, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden, mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen, unserm Todfeind sei verziehn.
Keine Träne soll ihn pressen, keine Reue nage ihn
Unser Schuldbuch sei vernichtet! Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen, in der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen, die Verzweiflung Heldenmut
Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist,
Lasst den Schaum zum Himmel spritzen: Dieses Glas dem guten Geist!
Den der Sterne Wirbel loben, den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist überm Sternenzelt dort oben!

Festen Mut in schweren Leiden, Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden, Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, Brüder, gält' es Gut und Blut
Dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut!
Schließt den heil'gen Zirkel dichter, Schwört bei diesem goldnen Wein,
Dem Gelübde treu zu sein, Schwört es bei dem Sternenrichter!

Rettung von Tyrannenketten, Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten, Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben! Brüder, trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben, und die Hölle nicht mehr sein.
Eine heitre Abschiedsstunde! Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder einen sanften Spruch aus des Totenrichters Mund.